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Masseria Alchimia, ein offenes Gespräch mit Caroline Groszer

Was ist das ganz Besondere an Ihrer wunderschönen Masseria?

Das Konzept der Masseria Alchimia bezeichne ich gern als ein APARTHOTEL: Es sind kleine Ferienwohnungen und Suiten mit Hotelservice wie der täglichen Reinigung, einem top Concierge Service mit Insidertipps und einer extrem individuelle Betreuung. Zudem lege ich viel Wert auf die Ästhetik: Design-Klassiker, moderne Kunst, wie zum Beispiel Lampen eines apulischen Künstlers gebrochen mit lokalrn Antiquitäten. Insgesamt ist es ein sehr persönlicher Mix aus Elementen, die dem Besucher Wohlbehagen vermitteln, ein moderner ländlicher Lebensstil.
Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist ein umweltbewusstes Verhalten. Ich habe Sonnenkollektoren installiert, für den Garten wird Regenwasser gesammelt, für Trinkwasser wurde ein Sparsystem installiert und die Abfälle werden strikt getrennt. Meine Gäste bitte ich, den Müll zu trennen (jede Einheit verfügt über eine kleine Öko-Insel).
Sowohl die Masseria Alchimia als auch der Palazzina und die Torretta bieten Raum für moderne Kunst. Teilweise gehören die Werke zu meiner persönlichen Sammlung, andere dagegen stehen zum Verkauf. Bei Interesse führe ich Künstler und Gäste zusammen. Auch eine Galerie stellt bei mir ihre Werke aus. So gibt es einen kontinuierlichen Wandel an ausgestellten Kunstwerken, was von den wiederkehrenden Gästen (fast 25%) als aussergewöhnlich erlebt wird.
An der Rezeption finden meine Gäste Literatur über Apulien, die Arbeiten eines Goldschmieds aus Fasano, eines Lichtkünstlers aus Polignano und vieles mehr. Dies immer im Wechsel und mit der Idee, die vielen kreativen Menschen aus Apulien einer internationalen Kundschaft vorzustellen. Dies ist auch für mich eine schöne Möglichkeit, das Gute, das mir hier widerfahren ist, zurückzugeben.
Relativ neu ist unser Angebot, Hochzeiten, Familienfeiern und Events generell zu organisieren, eine sehr spannende Sache, welche viel Freude bereitet.

Welche Art von Gästen finden zu Ihnen, wie werden diese auf Sie aufmerksam?

Meine Gäste haben Freude an Design, Kunst und schönen Gegenständen. Dazu können exklusive Leinenbettwäsche, schönes Geschirr, aber auch Kunst und Fotografie gehören. Zudem ist den Gästen ein ruhiges Umfeld wichtig und sie legen Wert auf absolute Sauberkeit. Gerne nehmen die Gäste auch meine Tipps, Restaurant- und Strandreservierungen und individuelle Beratung zur Gestaltung der Urlaubstage in Anspruch.
Es kommen vor allem Paare und Familien aus dem deutschsprachigen Raum. Häufig handelt es sich um kreative Menschen, wie Architekten, Designer, Künstler und Schauspieler, aber auch all jene, die sich selbst als „Design-Liebhaber“ definieren. Nicht selten höre ich: „Oh, den Stuhl haben wir zuhause auch …“
Sicher sind es Individualisten, die neugierig auf die Kultur und die Schönheit Apuliens sind. Ich würde sie weniger als typische Urlauber, mehr denn als Reisende bezeichnen. Sie finden mich im Internet, weshalb mir eine gut gestaltete Webseite wichtig ist und durch eine Weiterempfehlung an Freunde – je länger ich auf dem Markt bin, desto einfacher wird es weiter kommuniziert.

Wie positionieren Sie sich am Markt im Vergleich zu Ihren Kollegen im Umland, wer sind Ihre Zielgruppen?

All jene, die mein Konzept der „Suite für Selbstversorger mit täglicher Reinigung“ ansprechend finden, gehören zu meiner Zielgruppe. Wer hingegen das klassische Hotel mit Frühstücksbüffet und Pool sucht, wird bei mir vermutlich nicht glücklich.
Die meisten Hotels hier in der Gegend sind traditionelle Hotels oder aber (relativ einfache) Ferienwohnungen, wo sich der Gast sich um alles selbst kümmern muss. Bei mir hingegen, muss der Gast weder das Geschirr selbst spülen, noch das Bett machen oder seinen Pyjama zusammenlegen. In den Ferien hat das schon etwas für sich.
Treffen neue Gäste ein, ist es mein Ziel Ihre Wünsche innerhalb kürzester Zeit heraus zu spüren, womit ich sie versorgen kann. Die Gäste sollen gleich am ersten Tag ihres Aufenthalts ein Info-Paket erhalten, das individuell auf sie zugeschnitten ist. Sprich für den Foodie, die besten Restaurants und coolsten Bars, für die Bade-Urlauber, die schönsten Beachclubs und Strände und für Mode-Liebhaber, die angesagtesten Shops und Boutiquen – gute Tipps nur keine Touristenfallen.

Wie wurden Sie Hotelbesitzer?

Eigentlich ist das Ganze mehr zufällig passiert – die Masseria Alchimia hat mich gefunden. In meinem Leben bin ich sehr viel gereist und entdeckte diese schöne Region Italiens vor rund 15 Jahren auf – ich bin hier geblieben. Eine klassische Ausbildung in der Hotellerie habe ich nicht absolviert, sondern Wirtschaftswissenschaften (an der HSG im Schweizerischen St.Gallen) studiert. Mein Studium habe ich dann auf den Hotelbetrieb angewandt; mit etwas gesundem Menschenverstand und mit all dem Wissen, was ich selbst auf Reisen erlernt habe und das ich von Reisen erwarte.

Sind Sie immer also als gute Seele des Hauses vor Ort?

Ich bin das Herz des Hauses und stehe als Ansprechperson für meine Gäste kontinuierlich zur Verfügung. Zudem beschäftige ich zwei Schwestern, die sich um das House Keeping kümmern sowie einen Gärtner für die Grünflächen und eventuelle kleine handwerkliche Aufgaben. Im Hochsommer werden es mehr; da stelle ich insgesamt sechs Personen an.

Ist Ihre Masseria einfach zu erreichen?

Fasano im Herzen Apulien ist ideal gelegen: zwischen zwei internationalen Flughäfen (Bari und Brindisi sind je 60km entfernt), sehr wettersicher, ausnehmend freundliche Menschen und keine hohe Kriminalitätsrate (was man sonst im Süden ja eher erwartet). Schöne Sandstrände und eine Vielzahl kleiner Ortschaften mit tollen Restaurants und Boutiquen runden das Bild ab. Für mich das ideale Reiseziel in Europa: Meer, Kultur, Gastronomie, schnell erreichbar und (noch) nicht überteuert.

Sie haben außerhalb der Masseria noch zwei Ferienwohnung in der Stadt Fasano und in der Altstadt von Ostuni?

Das ist der Toretta Alchimia und der Palazzino Alchimia. In den beiden Wohnungen hat man noch mehr privacy, viel Platz und sie können sich mitten in das Getümmel der Stadt stürzen und zu Fuß ausgehen und einkaufen. Eine perfekte Lösung für eine ganze Woche.

In welchen Preissegment bewegen Sie sich?I

Die Preise variieren. Das günstigste Zimmer „Doppel Standard“ kostet im Winter 69,00 Euro die Nacht für zwei Gäste, das teuerste Zimmer, die „Romantische Suite“ vermiete ich im Hochsommer für 275,00 Euro die Nacht, die Spanne ist also groß. Es sind größtenteils Direktbuchungen, Pakete biete ich nicht an.

Wie stark greift Ihr regionaler Ansatz (lokale Verknüpfungen)? Können Sie diesen etwas näher beschreiben?

Ich pflege lokal sehr starke Verknüpfungen. So habe ich auch die My Puglia Card kreiert, die ich meinen Gästen bei der Anreise übergebe. Diese Liste enthält eine Übersicht der meiner Ansicht nach besten Restaurants, Trattorien, Boutiquen, Beach Clubs, Frisöre etc. Mit dieser Karte erhalten die Gäste dann bei den jeweiligen Adressen einen kleinen ‚Sconto’ oder anderen Vorteil, wie beispielsweise einen besseren Tisch, einen kostenlosen Café.

Sind Sie als Deutsche dort unten im Süden gut vernetzt? Wenn ja, wie haben Sie dies geschafft?

Ich kenne sehr viele Menschen und (fast) alle kennen mich. Wie mir das gelungen ist? Ich lebe seit vielen Jahren hier und habe mich – so denke ich zumindest – stets korrekt verhalten. So etwas spricht sich herum. Als Deutsche und noch dazu als Frau allein wird man anfangs sowohl positiv als auch negativ aufgenommen. Mit der Zeit lernen die Süditaliener aber die Professionalität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Gegenübers zu schätzen, und so stehen mir jetzt alle Türen offen.

C A R O L I N E    G R O S Z E R

 

 

 

Frittierte Pasta in Lecce

Lecce, Salento, Apulien, Puglia, Barock, KirchenLecce ist ein Fest für das Auge, denn hier drängen sich die schönsten süditalienischen  Barockkirchen auf engstem Raum. Im Süden von Apulien, umgeben von Weingütern, sieht man schnell an den weitläufigen Straßen und den klassizistischen, großzügigen Bauten, dass es hier um Architektur geht. Ein bisschen vornehm und klassisch und natürlich – wir sind in Italien – auch chaotisch.

Ich habe das Glück, bei meinem ersten Besuch in Lecce, dass ich einen „personal guide“ an meiner Seite habe, die wirklich die besten Geheimtipps der Stadt kennt. Und einer dieser Adressen,  ist in einer Gegend, in die der normale Tourist nie hin kommen würden – und vielleicht auch nicht soll. Manchmal tun die Italiener das, was sie gern tun, auch gerne unter sich.

Klar, die Rede ist vom Essen, vom Pasta essen. In diesem Fall ist es eine besonderen Art Pasta – aber dazu später mehr.

Jenseits des Zentrum von Lecce …

Zuerst einmal gibt es einen kleinen Spaziergang raus aus dem Zentrum von Lecce in eine völlig unspektakulär wirkende Straße. Das Restaurant, auf das wir zusteuern, hat auch nicht die klassische Fassade, die man von einer Trattoria, einem Restaurante erwartet. Es ist so unscheinbar, dass ich zuerst einmal vorbei läuft. Und dann: Wir müssen klingeln. Das ist speziell, aber es soll sich lohnen.

Die Trattoria Le Zie zu beschreiben, fällt mir etwas schwer: Es wirkt wie eine Mischung aus einem Trödelladen und der Wohnung der Freunde,  die zu viel Kram besitzen und Probleme haben, noch Platz zu finden. Ein kleiner Vorraum mit drei Tischen und völlig vollgestellten Regalen und Beistelltischen ist nicht wirklich das, was ich unter einer klassischen Trattoria verstehe, es erinnert mich an eine Wohnung. Im Hauptraum fallen einem sofort all die Visitenkarten auf, die hinter die transparente Stoßleiste an der Wand gesteckt wurden. Es gibt wohl viele, viele Gäste und nicht nur aus Lecce. Doch jetzt wird es richtig gut:

Die Trattoria Le Zie in Lecce …

Der Auftritt von Anna Carmela Perrone, die Seele des Ladens, die uns herzlichst begrüßt und die Bestellung aufnimmt. Wüssten wir nicht, dass wir „Ciceri e tria“ nehmen wollten, hätte uns Anna die Speisekarte persönlich vorgetragen – das gehört dazu, denn die Trattoria Le Zie hat keine Speisekarte.

LecceNach köstlich, einfachen vegetarischen Antipasti kommen dann unsere „Ciceri e Tria“ die eine wahre Geschmacksexplosion sind – ich habe so etwas noch nicht gegessen – würde es aber immer wieder tun. Frische Pasta, etwa fingerlang und breit gibt es sowohl al dente gekocht und – jawohl – frittiert. Dazu gibt es Kichererbsen und das ganze ist in einer wunderbaren „Sugo“ gegart, einem Eintopf ähnlich.

Es schmeckt hervorragend. Die Pasta ist – wie erwähnt – zu einem Drittel im „rohen“ Zustand frittiert worden, danach den Kichererbsen und dem „normalen“ Anteil der Pasta zugefügt. So entsteht ein Essen, das ein herrlich herzhaftes Aroma hat, das einem ein wohliges Gefühl von Genährtsein gibt und einen rundherum glücklich macht.

Übrigens kann man die frittierten Pasta mit Kichererbsen auch nachkochen, das Rezept gibt es hier. In Lecce, im Salento, kann man das klassische, süditalienische Italien erleben. Durch diesen Geheimtipp ist der Besuch jetzt ein „must“.